Sicherheit
Fake-Wohnungsanzeigen erkennen: 10 Warnsignale bei der Zimmersuche in München und Nürnberg
Kurz gesagt
Überweise nie Geld, bevor du die Wohnung besichtigt und einen Mietvertrag unterschrieben hast. Die meisten Fake-Anzeigen folgen demselben Muster: auffällig günstiger Preis in guter Lage, ein Vermieter, der angeblich im Ausland ist, und Druck, schnell eine Kaution zu zahlen. Die Kaution ist gesetzlich erst zu Beginn des Mietverhältnisses fällig und darf in drei Raten gezahlt werden.
Warum Betrüger gerade in München und Nürnberg ansetzen
In München und Nürnberg kommen auf ein freies WG-Zimmer oft viele Bewerbungen – besonders vor Semesterbeginn im Frühjahr und Herbst. Wer seit Wochen sucht, greift schneller zu. Genau darauf setzen Betrüger: Sie kopieren Fotos echter Wohnungen, setzen einen verlockenden Preis dazu und drängen auf eine schnelle Zahlung.
Besonders oft trifft es Menschen, die aus dem Ausland nach Bayern ziehen und die Wohnung vorab nicht ansehen können. Diesen Beitrag gibt es deshalb auch auf Englisch – zum Weiterschicken an neue Mitbewohner oder Kommilitonen.
Die 10 häufigsten Warnsignale
- Geld vor der Besichtigung. Kaution, „Reservierungsgebühr“ oder erste Miete sollen fließen, bevor du die Wohnung gesehen hast.
- Der Preis ist zu gut. Ein Zimmer in der Maxvorstadt oder ein Apartment in der Nürnberger Altstadt deutlich unter dem üblichen Niveau ist fast nie ein Glücksgriff.
- Der Vermieter ist im Ausland. Er arbeitet angeblich gerade woanders, kann die Wohnung deshalb nicht zeigen und will sie „vertrauensvoll“ aus der Ferne vermieten.
- Schlüssel per Post oder Kurier. Nach der Zahlung sollen die Schlüssel verschickt werden – eine echte Übergabe mit Protokoll gibt es nicht.
- Ungewöhnliche Zahlungswege. Bargeldtransfer-Dienste, Gutscheinkarten, Kryptowährung oder PayPal „Freunde und Familie“: Auf diesen Wegen ist Geld kaum zurückzuholen.
- Eine angebliche Treuhand- oder Buchungsplattform. Du bekommst einen Link zu einer Seite, die wie ein bekanntes Portal aussieht und die Kaution „sicher verwahren“ soll.
- Druck und Eile. „Es gibt viele Interessenten, wer heute zahlt, bekommt das Zimmer.“ Seriöse Vermieter lassen dir Zeit für Besichtigung und Vertrag.
- Kontakt nur schriftlich. Ein Telefonat oder Videoanruf wird immer wieder verschoben, die Antworten wirken wie Textbausteine.
- Ausweiskopie ganz am Anfang. Schon vor jedem Termin sollen Ausweis, Gehaltsnachweise oder Kontodaten kommen. Das kann auf Identitätsdiebstahl zielen.
- Fotos und Angaben passen nicht zusammen. Die Bilder tauchen in anderen Anzeigen oder Städten auf, Adresse und Stadtteil bleiben vage, Details widersprechen sich.
Seriös oder Warnsignal? Der schnelle Vergleich
| Situation | So läuft es seriös | Warnsignal |
|---|---|---|
| Besichtigung | Vor Ort oder per Live-Video mit jemandem, der in der Wohnung steht | Keine Besichtigung möglich, nur Fotos |
| Kaution | Nach Vertragsunterschrift, erste Rate zu Mietbeginn | Sofort, vor Besichtigung oder Vertrag |
| Zahlungsweg | Überweisung auf das Konto, das im Mietvertrag steht | Bargeldtransfer, Gutscheine, Krypto, „Treuhand“-Link |
| Unterlagen | Selbstauskunft, wenn du die Wohnung willst; Nachweise kurz vor Vertragsschluss | Ausweiskopie und Kontodaten vor dem ersten Kontakt |
| Schlüssel | Persönliche Übergabe mit Übergabeprotokoll | Versand per Post oder Kurier |
| Anmeldung | Du bekommst die Wohnungsgeberbestätigung für die Anmeldung | Der Vermieter weicht der Frage aus |
So prüfst du eine Anzeige in fünf Minuten
- Bilder-Rückwärtssuche: Lade ein Foto der Anzeige bei Google Lens oder der Bing-Bildersuche hoch. Taucht es in anderen Städten oder älteren Inseraten auf, ist die Anzeige kopiert.
- Adresse prüfen: Gibt es Straße und Hausnummer wirklich, und passt das Haus in der Kartenansicht zu den Fotos?
- Preis vergleichen: Liegt die Miete weit unter vergleichbaren Angeboten in derselben Lage, frag nach dem Grund.
- Anrufen oder Videocall: Bitte um ein Telefonat oder eine Live-Führung per Video. Wer dauerhaft ausweicht, hat meist etwas zu verbergen.
- Vertrag vor Geld: Lies den Mietvertrag, bevor du etwas zahlst. Vermieter, Adresse, Miete, Kaution und Kontoverbindung sollten darin stehen.
Schon gezahlt? Das kannst du jetzt tun
- Sofort die Bank anrufen. Bitte darum, die Überweisung zurückzurufen. Je schneller du dich meldest, desto besser stehen die Chancen.
- Beweise sichern. Mach Screenshots von Anzeige, Chatverlauf, E-Mails und Zahlungsbelegen, bevor sie gelöscht werden.
- Anzeige erstatten. Das geht bei jeder Polizeidienststelle. Die Online-Anzeige der Bayerischen Polizei nimmt derzeit nur wenige Delikte an, etwa Betrug bei Online-Auktionen – bei Mietbetrug gehst du deshalb am besten direkt zu einer Dienststelle.
- Plattform informieren. Melde die Anzeige beim Portal, damit sie verschwindet und niemand sonst darauf hereinfällt.
- Ausweisdaten im Blick behalten. Hast du eine Ausweiskopie verschickt, sag das bei der Anzeige dazu und prüfe in den nächsten Wochen deine Kontoauszüge.
Häufige Fragen
Darf ein Vermieter die Kaution vor der Besichtigung verlangen?
Eine Pflicht dazu gibt es nicht. Die erste Kautionsrate ist erst zu Beginn des Mietverhältnisses fällig, und du darfst in drei Monatsraten zahlen (§ 551 BGB). Geld vor Besichtigung und Vertrag ist das häufigste Merkmal von Betrug.
Wie hoch darf die Kaution für ein WG-Zimmer sein?
Höchstens drei Monatsmieten ohne die ausgewiesenen Nebenkosten. Das gilt auch für möblierte Zimmer und für die Untermiete in einer WG.
Muss ich bei der Bewerbung eine Ausweiskopie schicken?
Vor dem ersten Kontakt oder einer Besichtigung nicht. Bei der Besichtigung darf sich ein Vermieter den Ausweis zeigen lassen, eine Kopie braucht er dafür nicht – die Datenschutzaufsicht hält sie in dieser Phase sogar für unzulässig. Schickst du später eine Kopie, markiere sie deutlich als Kopie und schwärze Angaben, die nicht gebraucht werden.
Muss ich als Mieter eine Vermittlungsgebühr zahlen?
Nur, wenn du den Makler selbst mit der Suche beauftragt hast und er die Wohnung ausschließlich deshalb beim Vermieter angefragt hat. Hatte er sie schon im Angebot oder hat der Vermieter ihn eingeschaltet, zahlst du keine Provision (Bestellerprinzip). „Bearbeitungs-“ oder „Reservierungsgebühren“ darf ein Makler von dir überhaupt nicht verlangen. Fordert jemand Geld dafür, dass du besichtigen oder dich bewerben darfst, ist das ein Warnsignal.
Muss mir der Vermieter bei der Anmeldung helfen?
Ja. Du musst dich innerhalb von zwei Wochen nach dem Einzug anmelden. Der Wohnungsgeber – bei Untermiete in einer WG der Hauptmieter – muss dir den Einzug innerhalb dieser Frist bestätigen, schriftlich oder elektronisch direkt beim Meldeamt (§ 19 BMG). Bekommst du die Bestätigung nicht rechtzeitig, sag dem Meldeamt sofort Bescheid. Kann oder will jemand sie nicht ausstellen, ist das ein Warnsignal.
Wie erkenne ich, ob die Fotos einer Anzeige geklaut sind?
Mit einer Bilder-Rückwärtssuche, etwa über Google Lens oder die Bing-Bildersuche. Findest du dieselben Fotos in anderen Anzeigen, Städten oder auf Hotelseiten, ist die Anzeige mit hoher Wahrscheinlichkeit gefälscht.
Auf der Suche nach einem Zimmer?
Möblierte WG-Zimmer und Apartments von COLYO in München und Nürnberg. Nichts Passendes dabei? Bewirb dich initiativ – wir melden uns, sobald etwas frei wird.